• Hanna

Über das Vakuum des Reisens

Aktualisiert: 26. Juni 2019


Beim Reisen kommt es mir vor, als legte ich ein Hülle ab, an die ich gewöhnt bin und die mich für eine lange Zeit begleitet hat, Tag für Tag. Es ist die Hülle des Gewohnten, es ist das Gefühl, wie sich die Luft auf der Haut anfühlt, es ist der Geschmack des Brötchenfrühstücks vom Bäcker und es ist der Anblick der Häuser, Straßen und Schaufenster im Nachmittagslicht. So lange die Hülle da war, wusste ich gar nicht, dass es sie gab.


Aber jetzt, nach der Abfahrt des Zuges verändert sich etwas: Die Geschwindigkeit des Zuges erzeugt einen Wind, die Wände des Zuges bilden eine Hülle, die wie ein Vakuum ist, in dem ich weder hier noch dort bin, weder drinnen noch draußen, und selbst die Zeit ist eine unbestimmte, weil ich weder gerade abgefahren, noch gerade angekommen bin.


Es scheint, als sei hier alles möglich, denn die Menschen werden hier gleicher als draußen, die Unterschiede verschwinden. Der Professor ist nicht zu unterscheiden von allen anderen, den Müllmännern, Sekretärinnen, Chirurgen oder Informatikern. Nur, wenn man ab und an einen Blick auf das erhaschen kann, was der Sitznachbar liest, was er schreibt oder welche Musik er hört, kann man erahnen, was für ein Mensch da neben einem sitzt, welche Interessen er hat, welches Leben. Ansonsten ist es unbedeutsam, welche Herkunft, Spr