• Hanna

Thailand - Hochzeit auf Umwegen

Aktualisiert: Jan 14

Wie läuft eine Hochzeit am Strand in Thailand ab? Was müssen wir dabei beachten? Welche Dokumente sind erforderlich? Lohnt sich der zusätzliche Aufwand eigentlich? Im folgenden Beitrag erzähle ich euch von der Odyssee, die wir begingen, um unseren Traum einer Hochzeit am Strand zu realisieren. So viel kann ich verraten: Es hat sich gelohnt! Weiter unten gibt's praktische Infos.


Der Presslufthammer hämmert. Die Bohrmaschinen dröhnen. Die Bauzäune klappern im Wind. Ein eiskalter Luftzug wirbelt eine Wolke Staub auf und überzieht die vertrockneten Konfettireste auf dem Boden mit einer weißlichen Schicht. Stopp mal eben - geht es hier nicht um eine Hochzeit in Thailand?

Die Antwort ist, ja, natürlich, aber erstmal muss es auch um das Standesamt in Köln gehen. Seit Jahren ist es eine einzige Baustelle und damit alles andere als romantisch. Eigentlich möchte man dort nicht heiraten - jedenfalls nicht, wenn man bereits einen Urlaub in Thailand gebucht hat. So wie wir vor zwei Jahren: Bangkok, Kambodscha, Koh Chang und Koh Koot - so lautet der Plan, den wir für unsere zweiwöchige Reise geschmiedet haben. Ach ja, nebenbei planen wir dann auch, dort zu heiraten.


Eilig und euphorisch beginnen wir die Recherche: Ist es wirklich möglich, als Europäer in Thailand ganz offiziell zu heiraten und geht das auch am Strand? Was genau müssen wir dafür tun? Die erste Frage können wir sehr schnell mit einem Ja beantworten. Die Antwort auf die zweite Frage ist... etwas komplexer. Jedenfalls wenn man so ehrgeizig ist, wie wir, und alles selbst organisieren möchte, auf eine Pauschalhochzeit mit Extra Care-Paket, duftenden Blütenblättern, Feuerwerk und tanzenden afrikanischen Elefanten verzichtet.


Aber wie heißt es so treffend: Bad decisions tell good stories? Na klar, im Nachhinein lache ich darüber - aber nur, weil ich das mulmige Gefühl vergessen möchte, das sich immer noch einstellt, wenn ich daran denke, dass die ganze Hochzeit fast ins Wasser gefallen wäre - und das buchstäblich. Denn wir hatten in unserer Planung übersehen, dass über die Osterzeit Songkran stattfindet, das thailändische Neujahrsfest, während dem verrückt gewordene Thailänder am Straßenrand Party machen und die Vorbeifahrenden mit riesigen Kübeln Wasser nass spritzen. Kaltes Wasser und nasse Rucksäcke hin oder her - entscheidend ist, dass thailändische Ämter und die Post an diesen Tagen (natürlich!) geschlossen sind. Als wir also an unserem Zielort, einer wunderschönen Unterkunft auf Ko Koot ankommen und uns auf die unmittelbar bevorstehende Hochzeit am absolut einsamen Traumstrand freuen, sagt man uns schlicht und einfach: Papers not here, we not know when come! Songkran now!


Enttäuscht gehen wir unserer Wege, planen Ausflüge und erkunden die Insel mit dem Roller. Wir denken daran, dass wir nur noch zwei Tage hier haben, bevor wir zurück nach Deutschland fliegen. Was, wenn die Papiere nicht rechtzeitig ankämen? Die Managerin des Hotels sagt uns, dass es wegen des Songkran-Fests keine Möglichkeit gibt, an sie heran zu kommen und auch nicht, etwas über ihren Aufenthaltsort heraus zu finden. Ich denke an eine Katastrophe und will mich unserem Schicksal einfach nicht fügen. Lars ist da etwas entspannter: Was nicht sein soll, soll man schließlich nicht erzwingen, sagt er. Wenn nicht jetzt, dann ein anderes Mal.


So einfach ist das?!? Ich will aber!, schreit es in meinem Kopf, in dem sich bereits die Erinnerung an das Kölner Rathaus vor das Bild des wunderschönen Traumstrands schiebt, der direkt um die Ecke der Unterkunft liegt und so einsam ist, dass er nur mit dem Boot zu erreichen ist. Dort gibt es weißen Sand, klares türkisfarbenes Wasser und Palmen und das alles gibt es in Köln nicht, so einfach ist das.


Am nächsten Morgen passiert dann doch das Unglaubliche. Die Managerin des Hotels kommt uns in der Unterkunft entgegen: Papers here - when you want to marry? Wir können es erst fassen, als es wirklich so weit ist und wir uns am nächsten Vormittag mit der jungen Thailänderin und zwei ihrer Mitarbeiterinnen vor der Unterkunft treffen, um mit Rollern zum Standesamt zu fahren. Der Standesbeamte ist ein Mann in Uniform, der mit seinem rundlichen Gesicht aussieht wie eine freundliche Schildkröte. Die Managerin des Hotels - Tit Tee (gesprochen: Tittii) - ist Trauzeugin und Dolmetscherin zugleich, denn der Standesbeamte kann nur wenige Brocken Englisch. Er nickt freundlich und beäugt uns neugierig, scheint deutlich entspannter als wir, die keine Ahnung haben, was als nächstes passiert. Er möchte jetzt wissen: Möchte ich eine Miss oder Mrs sein? Eh... keine Ahnung?!? Ich lasse mir von Tit Tee erklären, was der Unterschied ist, bin hinterher aber nicht wirklich schlauer als vorher, habe den Eindruck, dass es wahrscheinlich ganz egal ist und entscheide mich auf Anraten ihrer thailändischen Begleiterinnen für Miss.


Der ganze Prozess dauert, auf den gelben Plastikstühlen direkt hinter uns hat inzwischen ein älteres Ehepaar Platz genommen, das geduldig wartet, bis wir fertig sind. Nachdem alle Fragen geklärt, alle Dokumente kopiert und alle Namen eingetippt sind, ist es endlich so weit und wir unterschreiben die Urkunde, in der Hoffnung, dass es wirklich unsere Namen sind, die dort auf Thai festgehalten sind und nicht die von ein paar Junggesellen aus dem Dorf, mit denen man uns verheiraten will.


Wahnsinn, der erste Schritt ist getan, das möchten wir feiern und bitten unsere drei Begleiterinnen: Bringt uns dahin, wo ihr immer esst, very local, street food, please! Sie lassen sich nicht anmerken, dass sie in diesem Moment wahrscheinlich maßlos enttäuscht sind, von den europäischen Touristen nicht ins Ritz Carlton eingeladen zu werden - das es im Übrigen auf dieser Insel, die erst vor Kurzem ihren ersten Geldautomaten erhalten hat, gar nicht gibt. Sie bringen uns jedenfalls zu einer klapprigen Bude am Straßenrand und bestellen das, was sie immer dort bestellen: Mais mit gesalzener Butter, Reis und einen wahnsinnig scharfen Mais-Papayasalat mit Krebsen. Die Anleitung zum Ausschlürfen der kleinen Krebse ist inklusive, das versteht sich von selbst.


Als wir uns am Nachmittag in unserer Unterkunft ausruhen und von unserer Veranda den Blick auf den kleinen Fluss genießen, sehen wir, dass ein Mitarbeiter der Unterkunft zwei Stühle und einen kleinen Tisch in ein Boot verlädt. Das kann nur für unsere bevorstehende Hochzeit sein! Angesichts des Aufwandes, der hier betrieben wird, gucken wir uns entsetzt an: Wird am Ende doch noch das ganze Programm, inklusive Feuerwerk und tanzender Elefanten aufgefahren? Aus Höflichkeit beschweren wir uns aber nicht.


Kurz darauf trifft der Standesbeamte ein. Er ist nicht allein, nein, im Schlepptau hat er einen Kollegen, seinen obersten Boss, den Sheriff der Insel, und dessen Frau, die sich das ganze Spektakel offenbar nicht entgehen lassen wollten. Als wir im Gänsemarsch über den Steg laufen, vor und hinter uns die uniformierten Staatsbeamten, kommen wir uns vor wie Schwerstverbrecher, die abgeführt werden. Ich bin sicher, dass der ein oder andere Gast der Unterkunft, der dieses Spektakel vom sicheren Hafen seiner Veranda aus beobachtet, genau daran denkt. Na gut, vielleicht sehen wir nicht aus wie Schwerstverbrecher, zumindest aber der Besitz illegaler Drogen wäre denkbar. Das unverrückbare Lächeln auf unseren Gesichtern verrät uns dann doch: Hier geht es nicht ins Gefängnis, sondern an den Strand!


Unsere Trauzeugin Tit Tee ist dann auch wieder mit von der Partie, und auch sie staunt und guckt ein wenig ratlos, als im letzten Moment noch der Chauffeur des Sheriff über den Steg hechtet und ins Boot springt. Alle wollen mit, das Boot legt ab!



Der Strand liegt vor unseren Augen und dann auch zu unseren Füßen, so unberührt und wunderschön wie auch an den Tagen zuvor. Nach einer kurzen Rede, von der wir ungefähr 0,8% verstehen - also in etwa so viel wir erraten können und Tit Tee uns übersetzt - wird uns endlich die wunderschöne Urkunde überreicht. Unsicher (hätten wir uns doch besser informiert!) schauen wir uns um und fragen uns, ob wir uns jetzt küssen dürfen - und sollen. Dies ist endlich der Auftritt des Chauffeurs, denn als könnte er Gedanken lesen, ruft er ungeduldig: Kiss, kiss! Wir lassen die versammelte Mannschaft nicht lange darauf warten.


Zurück in unserer Unterkunft, gibt Tit Tee uns zu verstehen, dass man noch gemeinsam mit uns essen möchte - auf unsere Kosten, versteht sich. Der Tisch wird reichlich gedeckt, Tit Tee serviert uns die besten (und teuersten) Snacks der Unterkunft, wir genießen das leckere Essen und fragen uns, worüber wir uns wohl mit unserer uniformierten Gesellschaft in wenigen Brocken Thai-Englisch unterhalten sollen.

Unvermittelt - und ich schwöre, es gab absolut keine Vorzeichen für diese Frage des Sheriff, sonst hätte ich mir bestimmt eine bessere Antwort zurechtgelegt - heftet sich der Blick des Standesbeamten auf mich. Die dann folgende Frage ist klar, ganz unmissverständlich, selbst in seinem gebrochenen Englisch ist sie deutlich zu hören: Why you love him?


Tja, was sagt man auf eine solche Frage, während sich nun fünf teils uniformierte Augenpaare auf mich konzentrieren, und ach ja, nicht zu vergessen, die beiden Augen meines frisch gebackenen Ehemannes, der ebenso neugierig auf meine Antwort zu sein scheint, wie alle anderen Anwesenden. Jede weitere Nachfrage meinerseits, zum Beispiel, um Zeit zu schinden, wäre sehr auffällig gewesen, hätte mich verraten, hätte die Frage aufkommen lassen: Weiß sie es vielleicht gar nicht? Gibt es vielleicht gar keinen Grund, diesen Mann zu heiraten? War es vielleicht ein Grund, den man nicht benennen möchte - sein Geld, seine Yacht, sein Haus, sein Körper? Also strecke ich schnell meine Hand nach vorne aus, um mit Bestimmtheit zu untermalen, was mir - ganz ungefiltert - in den Kopf schießt: If problem, he solution!


Ich erwarte skeptische Blicke, Stirnrunzeln, den Widerruf der Vermählung seitens der hier anwesenden staatlichen Würdeträger, werde aber überrascht vom eifrigen Nicken und verständnisvollen Lächeln des Fragestellers. Es war scheinbar die richtige Antwort, oder, sagen wir mal, eine, die alle verstehen. Jetzt muss auch Lars durch diese Prozedur, was ich ganz unfair finde angesichts des zeitlichen Vorsprungs, den er hatte, sich darauf vorzubereiten.


Als sich unsere freundlichen Besucher auf den Weg machen, prusten wir los: Was für eine Frage, was für Antworten, was für eine Runde, was für ein toller Tag! Das verstaubte Bild des Kölner Baustellen-Standesamtes ist längst vergessen - zu intensiv, zu bunt, zu lustig, zu lecker sind die Eindrücke des heutigen Tages. Trotz Umwegen gilt auch hier wieder einmal: Ende gut, alles gut!


Wer in Thailand heiraten möchte, sollte die folgenden Dinge beachten. Weil sich die Vorgehensweise der Ämter kurzfristig ändern kann, solltet ihr auf jeden Fall trotzdem die aktuellen Informationen checken.

  • Sucht euch jemanden in Thailand (z.B. einen Übersetzer oder ein Hotel), der für euch Übersetzungen, Papierkram und den Gang zu Ämtern erledigen kann. Beim Auswärtigen Amt findet ihr dazu eine Liste von Übersetzern in Thailand.

  • Im Standesamt eures Wohnortes solltet ihr euch als erstes ein sogenanntes Ehefähigkeitszeugnis ausstellen lassen (ca. 58€). Dafür benötigt ihr eure Personalausweise oder Pässe und eure Geburtsurkunden). Ihr solltet euch hier auch erkundigen, ob das Standesamt zur Anerkennung der Heiratsurkunde später eine Legalisation der thailändischen Urkunden durch die deutsche Botschaft benötigt (was häufig der Fall ist).

  • Das Ehefähigkeitszeugnis schickt ihr im Original mit einer beglaubigten Kopie der Pässe, einer ausgefüllten Kostenübernahmeerklärung und dem Fragebogen zur Ausstellung einer Konsularbescheinigung zur Botschaft in Bangkok. Diese stellt in 3-4 Tagen eine sogenannte Konsularbescheinigung aus (ca. 157€+ ggf. 70€ für Express-Versand der Dokumente nach Thailand).

  • Die Konsularbescheinigung der Deutschen Botschaft muss dem thailändischen Aussenministerium vorgelegt werden, die die Bescheinigung auf ihre Echtheit prüft ("Überbeglaubigung", ca. 21€). Achtung: Zum Zeitpunkt unserer Reise konnte dies nur nach Vorlage einer Passkopie mit aktuellem Einreisestempel passieren. Ggf. sollte man einplanen, nach der Einreise dort persönlich zu erscheinen. Da das Aussenministerium nur eingeschränkte Öffnungszeiten hat, sollte man dafür genügend Zeit in Bangkok einplanen.

  • Euer Hotel sollte vor Ort Kontakt mit dem lokalen Standesamt aufnehmen. Offiziell heißt es, dass kein Termin vereinbart werden kann und dass es von der "Willigkeit des Standesbeamten" abhängt, ob am Strand geheiratet werden kann. Als Trauzeuge kann auch ein Fremder (z.B. Angestellte im Hotel) dienen.

  • Ihr erhaltet vom thailändischen Standesamt eine Heiratsurkunde sowie einen Heiratsregistereintrag. Beide Urkunden schickt ihr im Original mit jeweils 2 Fotokopien und dem Antrag auf Beurkundung einer Auslandseheschließung im Eheregister zur Deutschen Botschaft in Bangkok. Das Legalisationsverfahren dauert ca. 6-8 Wochen und kostet 25-45€.

  • Den Nachweis der Eheschließung müsst ihr in Deutschland oder Thailand von einem staatlich vereidigten Übersetzer übersetzen lassen und beim Standesamt vorlegen (ca. 80€). Ggf. benötigt werden dazu noch einmal die Pässe und Geburtsurkunden sowie der Nachweis zur Namensführung in der Ehe. Fertig ist der Eintrag im Eheregister und ihr erhaltet eine deutsche Heiratsurkunde!

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