• Hanna

    Vietnam für Backpacker

    Aktualisiert: Jan 14

    Lange Sandstrände, wunderschöne Karstlandschaften, tolles Streetfood. Vietnam ist so vielfältig, dass du als Reisender mobil sein solltest, um möglichst viel vom Land zu entdecken. Worauf es dabei ankommt und welche Tipps und Erfahrungen ich an euch weitergeben möchte, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.



    Eine Reise durch Vietnam ist im Allgemeinen unkompliziert - so viel sei vorab gesagt. Und sehr besonders - weshalb genau, das versuche ich für euch in Worte zu fassen:


    Kontakt mit Einheimischen

    Von meinen Schwierigkeiten im local bus und den unglaublichen Erfahrungen, die ich dabei machte, berichtete ich ja bereits an anderer Stelle. Das Problem, als Tourist höhere Preise bezahlen zu müssen, hat man in vielen Situationen und leider kann man dagegen kaum etwas tun. Ein Beispiel ist das Taxifahren: Als ich nach vier Tagen denke, dass ich mich endlich eingefunden habe und mich von jetzt an nicht mehr abzocken lasse, passiert es wieder. Im Taxi bezahle ich 37.000 Dong (ca. 1,50€) für die gleiche Strecke, für die ich am Tag zuvor 77.000 Dong (ca. 3€) bezahlte. Trotz Taxameter auf beiden Strecken! Leider sind diese häufig manipuliert und es hat sich mir bisher nicht erschlossen, wie man dies entdeckt oder vermeidet. Das einzige, was hilft, ist, sich von der Unterkunft ein Taxi rufen zu lassen.


    Kurz darauf stehe ich am Bahnhof, als zwei vietnamesische Frauen Kontakt mit mir aufnehmen. Sie wollen ein Foto mit mir machen und meinen Facebook-Namen wissen. Sie können nicht mehr als ein paar wenige Worte Englisch, aber mit Händen und Füßen klappt die Verständigung doch. Als wir in den Zug einsteigen, sitzen sie in einem anderen Abteil, aber nach unserer Ankunft in Dong Hoi lädt mich eines der Mädchen ein, ich solle mit ihnen ins Café gehen.



    Es kommt mir vor, als hätten die Vietnamesen zwei Gesichter: Einerseits manipulieren sie ihre Taxameter, andererseits sind sie interessiert, offen und hilfsbereit - egal wo ich bin. Es herrscht wenig Misstrauen untereinander und läuft man abends durch die Stadt, steht jede Haustür weit offen, ist jedes Wohnzimmer hell erleuchtet, selbst wenn die Menschen darin schon schlafen - ebenfalls sichtbar für die Passanten. Das Leben hier findet überhaupt viel auf der Straße statt: Es wird dort gegessen, die Ernte wird getrocknet, es wird geschlafen - auf dem Sattel des Mopeds oder auf einer Parkbank.


    Laut Auswärtigem Amt ist die Kriminalitätsrate im Land niedrig. Trotzdem versichere ich mich mehrfach, ob ich als Frau spät abends alleine durch die Stadt laufen kann, aber immer wieder bekomme ich die gleiche Antwort: Natürlich!!

    Oben links: Französisches Viertel Hanoi, oben Mitte: Buchhandlung in Hanoi, oben rechts: trocknender Tee in Hoi An, unten links: Streetfood in Hanoi, unten Mitte: Wohnzimmer in Dong Hoi, unten rechts: Partie Mönchengladbach - Augsburg in Hue


    Wie einfach oder schwer ist es, hier zu reisen?

    Es ist einfach, sich spontan von Ort zu Ort zu bewegen. Jetzt, im Oktober, ist Nebensaison und weder Unterkünfte noch Busse oder Züge sind ausgebucht. Eine Buchung am gleichen Tag oder erst einen Tag vorher ist also gut möglich. Generell ist das Angebot an Hotels, Hostels und Homestays so groß, dass ich bezweifle, dass ihr in anderen Monaten damit ein Problem haben könntet. Wer natürlich eine einzige Wunschunterkunft hat, sollte diese mindestens einen Tag vorher buchen.


    Was das Reisen hier außerdem so einfach macht, ist, dass jedes Hotel die Buchung der nächsten Fahrt für euch erledigen kann. Dazu sollte man allerdings wissen, dass ein Hotel meist einen Standardanbieter für Touren oder Fahrten hat - habt ihr also spezielle Wünsche, solltet ihr euch selbst darum kümmern und in ein unabhängiges Reisebüro vor Ort gehen.


    Bleibt nur noch die Wahl des Verkehrsmittels: Die schönsten Erlebnisse hatte ich im local bus, der darüber hinaus auch am billigsten ist, für kürzere Strecken also super! Wer längere Strecken zurücklegen möchte, kann den Zug nehmen.



    Der Zug ist komfortabler als der Reisebus, der eine weitere Alternative darstellt. Die meisten Busse in Vietnam fahren übrigens nachts, wenn die Straßen leer sind und die Stunden auf der Straße schlafend verbracht werden können. Die Reise in einem solchen Sleeper, der keine Sitz- sondern Schlafplätze hat, die in drei Reihen nebeneinander und zweistöckig aufgebaut sind, ist etwas gewöhnungsbedürftig. Ihr solltet vorher checken, welche Firma vertrauenswürdig ist. Ich habe bisher nur die Firma Futa-Bus (oder: Phuong Thran) ausprobiert, die auf mich einen soliden Eindruck machte. Leider gab es hier keine Toilette an Board - nach 3 Stunden wurde aber eine Pinkelpause eingelegt.



    Was auf einer Reise durch Vietnam absolut unverzichtbar ist, sind Englischkenntnisse (in reduzierter Form) und ein Smartphone. Die wichtigsten Apps sind ein Währungsrechner, Splitwise (zum Eintragen der Ausgaben wenn ihr nicht alleine reist), eine Übersetzerapp, GoogleMaps und MapsMe, die App von Booking.com oder eine vergleichbare Buchungsapp und eine Wetter-App. Darüber hinaus hatte ich noch meinen Spaß mit PS Express (zum Bearbeiten von Fotos) und Netflix (Empfehlung: "The Vietnam War" - zehnteilige Serie zu den Hintergründen des Vietnam-Kriegs).


    Wifi gibt es übrigens fast überall - selbst in kleineren Restaurants, in Bahnhöfen (die sonst nicht besonders modern aussehen) und in jedem Hostel. Die Infrastruktur ist also gut ausgebaut, ohne dass das Land von Touristen überschwemmt wird. Dazu ein Beispiel: Selbst in einer sehr touristischen Stadt wie Hoi An bin ich plötzlich einzige Touristin unter vielen Einheimischen sobald ich von den Hauptstraßen in Nebenstraßen abbiege. Das ist toll und für uns Europäer ein besonderer Luxus.


    Wenig touristische Nebenstraßen in Hoi An


    Ist alleine reisen (als Frau) gut möglich?

    Die gute (touristische) Infrastruktur macht Vietnam zur perfekten Destination für Alleinreisende. Fast nichts ist jemals ausgebucht, viel eher passiert es, dass man einziger Gast in einer Unterkunft ist. Da kann man sich schonmal etwas verloren vorkommen... In jedem Hauptort gibt es allerdings auch beliebte Backpacker-Hotspots, wo man sehr schnell Kontakte knüpfen kann. Es passiert dann schneller als zu Hause, dass man eingeladen wird, mit zum Essen oder auf Ausflüge zu kommen - vorausgesetzt, man ist alleine.


    Aufgrund der niedrigen Kriminalitätsrate braucht man auch als alleinreisende Frau wirklich nicht ängstlich zu sein. Und möchte man am Strand mal ins Wasser und seine Tasche samt Kreditkarten, Laptop, Handy & Co nicht alleine lassen, gibt es immer andere Backpacker auf benachbarten Handtüchern, die gerne darauf aufpassen.


    Fazit: Ich würde jederzeit nochmal wiederkommen, auch alleine. Es gibt noch so viel zu entdecken!


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