• Hanna

Wenn der Weg zum Ziel wird - ein Flug ans andere Ende der Welt

Aktualisiert: Jan 5

{enthält unbezahlte Werbung} Damals, vor 16 Jahren, als Backpacker in Australien, drehte ich jeden Cent dreimal um. Das tägliche Mittagessen bestand aus Nudeln mit Tomatensoße und die Hostels, in denen es einen Gutschein für ein kostenloses Mittagessen gab, waren uns die liebsten. Seitdem hat sich viel verändert. Auch heute reise ich gerne sparsam, für diese Reise aber kriege ich den Flug in der Business-Klasse quasi geschenkt. Da sag ich nicht nein... los geht's!


Natürlich bin ich schon vor dem Flug aufgeregt - nasse Hände inklusive - diesmal aber nicht wegen meiner Flugangst, sondern vor Freude, diese besondere Erfahrung zu machen: Business-Klasse im A380 fliegen. Am Gate sehen wir dann voller Bewunderung einen silbernen Umschlag in der Hand eines Mitreisenden: Dieser Mensch fliegt sogar Erste Klasse - waow! Wir rätseln, wer gleich in welchen der drei zum riesigen Flugzeug führenden Arme steigen darf.


Dann plötzlich eine Durchsage: Die Stimme im Lautsprecher sagt ganz klar unsere Namen und fordert uns auf, uns vorne zu melden. Ich habe ein ungutes Gefühl im Bauch: Ist der Flug überbucht? Wollen sie uns anbieten, für ein wenig Geld zu Hause zu bleiben? Ich kann nur an eines denken, nämlich daran, dass ich das alles nicht will. So lange habe ich mich auf den Abflug aus dem kalten Deutschland in die warme Südsee gefreut, ich will die Reise jetzt nicht verschieben!


Wir treten also an die Theke, sagen, wer wir sind, zeigen unsere Bordkarten vor, aber anstatt uns des Fluges zu verweisen, traue ich meinen Ohren kaum, als der Angestellte in etwa Folgendes zu uns sagt: "Wir freuen uns, Sie heute als Gäste in unserer First Class begrüßen zu dürfen. Bitteschön!" Und schon reicht er uns die beiden silbernen Umschläge, in denen tatsächlich zwei Boardkarten für die Erste Klasse stecken.


Ab dann komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus: die riesigen, automatisch verstellbaren Sessel, die echten Rosen für jeden Gast, einen eigenen Kleiderschrank, ein Beauty-Paket mit Cremes und anderen Kosmetika, Pralinen, einen eigenen Designer-Schlafanzug (den zieht doch sowieso keiner an, denke ich - worin ich mich gründlichst irren sollte...). Natürlich wird der erste Champagner ausgeschenkt, noch bevor der Flieger losrollt. Was, ihr hättet nicht gedacht, wie viele Privilegien ein Passagier der Ersten Klasse hat? Ich eigentlich auch nicht.



Aber es kommt noch besser: Ebenfalls vor Abflug kriegen wir Besuch vom netten Kapitän Klaus Konrad, der mit jedem der acht Passagiere persönlich spricht. Ich registriere die Falten in seinem Gesicht und das Lächeln auf seinen Lippen und denke: Der Mann ist sowohl erfahren als auch entspannt - Balsam für meine Flugangst, die wie weggeblasen ist. So ein netter Kapitän! Auch die Chef-Purserin kommt vorbei und äußert ihren Wunsch: "Wenn Sie in ein paar Stunden hier raus gehen, möchten wir, dass Sie sagen, das war ein richtig tolles Erlebnis, also sagen Sie bitte Bescheid, wenn wir noch etwas dafür tun können."


Ach, ich würde sagen, mit dem Abendessen sind wir eigentlich ganz zufrieden: Als Amuse Geule eine Jakobsmuschel, zur Vorspeise wird Kaviar mit Wodka gereicht, dann ein Vorspeisenteller, schließlich eine Auswahl von verschiedenen Hauptgerichten, danach verschiedene Nachtische und eine Käseplatte. Die Weinauswahl ist üppig und selbstverständlich darf der Wein vor dem Ausschenken auch vorgekostet werden.


Eine Stewardess ist übrigens für 4 Passagiere zuständig - zu meinem Vorteil, denn ich kann stets bei meinem rechten Nachbarn schauen, wie ich mich zu verhalten habe. Er wird zuerst bedient und scheint absolut routiniert mit allen Vorgängen dieser Klasse, während ich noch immer nicht fassen kann, wo ich gelandet bin. Leider kommt die Stewardess dann mit dem Brotkorb doch zuerst zu mir, hält ihn mir hin und ich greife voller Staunen angesichts der großen Auswahl nach dem leckersten Brötchen, übersehe dabei glatt die Zange in ihrer Hand. Die nette Flugbegleiterin lacht, ich werde knallrot. Natürlich hätte ich nicht mit der Hand in den Korb greifen dürfen! Egal, sie hat sowieso schon längst gemerkt, dass ich mich hier nicht so gut auskenne...


Und dann ist es soweit, es ist Schlafenszeit und die Stewardess fragt, ob sie mein Bett machen soll. Da sage ich nicht nein, staune nur, dass alle anderen mittlerweile tatsächlich ihre braunen Designer-Schlafanzüge angezogen haben. Also gehe auch ich ins Badezimmer, um mich umzuziehen und stelle fest, dass der Schlafanzug tatsächlich sehr bequem ist. Das Badezimmer ist übrigens so groß, dass wir darin Salsa tanzen könnten. Machen wir aber in diesem Moment nicht, denn dafür haben wir schon zu viel Wein intus... ach ja, und Champagner... und Wodka glaub ich auch.


Als ich aus dem Badezimmer zurückkehre, hat die Stewardess aus meinem Sessel ein Bett gezaubert, mit komfortabler Matratze und Daunendecke, durch Sichtschutz vom Nachbarn abgetrennt. Bevor ich mich auf dem Bett ausstrecke, mich in die gemütliche Decke wickle und die Augen zumache, fragt die Stewardess noch, ob ich zum Frühstück geweckt werden möchte. Ich nicke: Natürlich, was für eine Frage, das Frühstück nehme ich auch noch mit!


Nach einem frisch gepressten Orangensaft, einem Smoothie und einem reichhaltigen Frühstück ist das Ganze dann leider schon vorbei: Landeanflug auf Singapur. Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals das Ende eines 12stündigen Fluges so sehr - und überhaupt - bedauern würde!



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