• Hanna

Bekanntschaft mit einem ungebetenen Gast - Der Zyklon Sarai trifft auf Fidschi

Geplant war ein Traumurlaub unter Palmen auf einer einsamen Insel der Yasawa-Gruppe nordwestlich von Fidschi - aber dann kam alles anders: Zyklon Sarai kreuzte unseren Weg. Wie es sich anfühlt, mitten in einem Zyklon zu sein, und wie ein solcher Wirbelsturm entsteht, lest ihr im folgenden Beitrag.



Ausgerechnet wenn wir hier auf Fiji sind, ausgerechnet wenn wir vier Nächte auf einer einsamen Insel à la Castaway - in unmittelbarer Entfernung der tatsächlichen Castaway-Insel - gebucht haben. Ausgerechnet wenn ich nach 16 Jahren zum ersten Mal selbst nach Fiji komme, nachdem ich als Backpackerin in Australien so viele Reisende kennenlernte, die von dort aus nach Fiji weiterreisten, während es für mich zurück nach Hause ging. Ausgerechnet dann durchkreuzt Zyklon Sarai unsere Pläne. Ich muss zugeben, das Risiko war uns vorher bewusst: In der Südsee herrscht von November bis April Zyklonensaison, allerdings denkt man bei der Reiseplanung Monate vorher, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Nicht immer, wie wir jetzt merken - wir sitzen nämlich gerade mitten in einem Zyklon fest und müssen unsere Reisepläne ändern.


Was das Herannahen eines Zyklons eigentlich bedeutet, erahnen wir zum ersten Mal, als wir auf das Boot steigen, das uns auf eine der Yasawa-Inseln nordwestlich der Hauptstadt Nadi bringen soll. Nach drei Stunden Fahrt überbringt uns die Dame im kleinen Reisebüro an Bord die schlechte Nachricht: We have just been informed that your resort is not accepting any guests because of the serious weather conditions the country is facing at this moment. Was?!? Serious weather conditions?? Während unser Taxifahrer am Tag zuvor noch beschwichtigte, es sei nur ein Tiefdruckgebiet, das sich nicht in einen Zyklon verwandeln würde, schlägt diese Dame jetzt deutlich ernstere Töne an und empfiehlt uns, bei windy.com das Wetter zu beobachten. Gesagt, getan. Was wir dort sehen, sieht wie ein Alptraum aus: ein ausgewachsener Zyklon, so einer, den man meist unter dem Namen Hurricane aus Katastrophenberichten aus dem Fernsehen kennt, mit einem Auge in der Mitte und extrem hohen Windgeschwindigkeiten. Ich erinnere mich daran, dass die Begriffe Hurricane, Zyklon und Taifun ein und dasselbe Phänomen bezeichnen, nur dass sie an geographisch unterschiedlichen Orten benutzt werden - im Südpazifik heißen die heftigen, sich drehenden Stürme Zyklone.


Wettervorhersage bei windy.com für Freitag, 19 Uhr (Bild 1), Samstag 0 Uhr (Bild 2) und Sonntag 12 Uhr (Bild 3). Die rosa bis dunkellila gefärbten Flächen stellen die höchsten Windgeschwindigkeiten dar. Die Inselkette nordwestlich der Hauptinsel Viti Levu werden als Yasawa-Inseln bezeichnet. Wie man an den Farben sieht, waren dort die höchsten Windgeschwindigkeiten vorhergesagt.


Die nette Dame aus dem Reisebüro an Bord tätigt schnell ein paar Telefonate für uns und findet heraus, dass ein anderes Resort auf einer kleinen Insel 3 Stunden weiter nördlich noch eine freie Hütte für uns hätte. Sie teilt uns allerdings auch mit, dass der gesamte Bootsverkehr für die nächsten Tage auf unbestimmte Zeit eingestellt wird.


Noch weiter nördlich? Noch abgelegener? Während eine "gravierende Naturkatastrophe" auf das Land zukommt und wir nicht wissen, wie wir zurück auf die Hauptinsel kommen, um dort rechtzeitig unseren nächsten Flug zu bekommen? Wir sehen auf dem Windradar, welch hohen Windgeschwindigkeiten für die nächsten Tage auf den Yasawa-Inseln vorhergesagt werden und entscheiden uns gegen das alternative Resort. Das bedeutet allerdings, dass wir auf dem Boot bleiben, bis es seine Runde über alle kleinen Inseln beendet hat.


Am Ende ist dies bereits eine ziemlich windige Angelegenheit. Der Zyklon kommt näher, das können wir bereits jetzt spüren. Mir kommt es vor, als würde der Kapitän einen Zahn zulegen, um noch rechtzeitig vor dem Eintreffen des Sturms in den sicheren Hafen zu gelangen - der Motor heult laut auf, der große Katamaran schwankt in den meterhohen Wellen auf und ab, klatscht immer wieder unerwartet nach unten. An den einzelnen Inseln treffen wir auf kleine Zubringerboote, die Gäste aus den Resorts zu unserem Boot bringen; sie sind vollbeladen mit Passagieren. Wir erfahren von der Crew, dass alle Gäste, die in den nächsten Tagen abreisen wollten, jetzt evakuiert werden.

Bild 1: Kleine Zubringerboote, die Gäste von den Inseln auf die letzte Fähre vor dem Sturm bringen. Bild 2: Siedlung der Einheimischen; auch hier sitzt man den Sturm notgedrungen aus, bis der Bootsverkehr wieder aufgenommen wird.


Nach 9,5 Stunden Bootsfahrt betreten wir - ausgehungert und auch ein wenig seekrank - den Bootssteg, den wir heute morgen verließen - in der Hoffnung auf einen Traumurlaub auf einer einsamen Insel. Schade, aber jetzt geht es darum, einen sicheren Unterkunftsort zu finden, bevor der Zyklon auf das Festland trifft.


Wenige Stunden später haben wir ein Hotel gefunden, in dem wir uns wohlfühlen. Auf den Inseln tobt jetzt bereits der Sturm - abgesehen von der unangenehmen Vorstellung, jetzt dort in einer Hütte zu sitzen, hat man uns mehrfach versichert, dass wir auf dem Festland sicherer sind. Wir sind froh, uns so entschieden zu haben!


Wir kaufen uns einige Flaschen Wasser und eine Notration Kekse und warten dann einfach ab - mehr können wir nicht tun. Der Wind draußen nimmt jetzt immer mehr zu, es fängt an zu regnen. In unserem Hotel bereitet man sich vor: Tische und Stühle werden nach drinnen geräumt, das Auto wird unter das Dach im Eingangsbereich gefahren, man deckt sich mit Lebensmitteln ein. Wir nutzen das Internet, solange es da ist, laden alle elektrischen Geräte auf, solange wir können.


Und dann kommen die ersten Stromausfälle. Wir sitzen mit Kerzen beim Abendessen, springen mehrfach auf, weil etwas aufs Dach kurz über unseren Köpfen kracht - wahrscheinlich nur eines der riesigen Palmwedel, die bereits jetzt verstreut auf den Straßen liegen. In der Abenddämmerung sehen wir, dass sich die Palmen bedenklich weit durchbiegen. Niemand läuft jetzt noch dort draußen herum, alle sind froh, in festen 4 Wänden zu sein.


Später, als wir im Bett liegen, können wir dem Höhepunkt des Zyklons nur noch zuhören, denn draußen ist es stockfinster. Das Meer braust unentwegt in einem tiefen Rauschen - die Wellen schlagen nur in etwa Hundert Metern Entfernung von hier aufs Land. Auch der Wind rauscht und braust, allerdings in Böen, als sei der Zyklon ein lebendiges Wesen, das mit seiner riesigen Hand in die Wipfel der Palmen greift und sie einmal ordentlich durchschüttelt. Was wir auch noch spüren, ist eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit - die Luft wird dadurch so stickig, dass wir das Gefühl haben, schwerer Luft zu kriegen; auf den kalten Fliesen auf dem Boden unseres Hotelzimmers bildet sich ein feuchter Film.


Am nächsten Morgen ist der Sturm weniger geworden, aber noch nicht vorbei. Die Einheimischen sind wie immer entspannt und machen Scherze, räumen die herumliegenden Teile auf. Ab und an erkennt man dann doch einen besorgten Gesichtsausdruck: Der Zyklon kommt morgen zurück, sagen sie, und tatsächlich erkennt man im Strömungsfilm auf windy.com, dass er von seinem Kurs in den Süden abdreht und wieder Kurs auf die Küste der Hauptinsel nimmt.


Wir werden das Ganze hier also aussitzen - müssen. Solange niemand zu Schaden kommt, ist es auch ein wenig aufregend, denke ich. Ich nutze die viele freie Zeit, mich über Zyklone zu informieren und lerne, dass es Wirbelstürme sind, die sich üblicherweise in den Tropen bilden, in denen die Wassertemperatur mindestens 27 Grad Celsius beträgt. Die oberflächennahe Luft nimmt auf ihrem Weg über das Wasser viel Feuchtigkeit auf und konvektiert dann nach oben. Dadurch entsteht in Wassernähe ein Tiefdruckgebiet, in das Luft von der Seite nachströmt. Die Feuchtigkeit in der konvektierten Luft bildet Wolken, die sich ausregnen. Wirbelstürme drehen sich auf der Nordhalbkugel übrigens gegen den Uhrzeigersinn und auf der Südhalbkugel mit dem Uhrzeigersinn. Die sich drehende Bewegung wird durch die sogenannte Corioliskraft verursacht, die bewirkt, dass Luftpakete auf der Nordhalbkugel immer nach rechts, auf der Südhalbkugel immer nach links abgelenkt werden.


Sobald der Zyklon (oder Hurricane, oder Taifun) auf Land trifft, verliert er an Geschwindigkeit und Kraft, da keine weitere Feuchtigkeit aus dem Wasser aufgenommen werden kann. Wenn er für den Menschen gefährlich wird, bekommt er übrigens einen Namen, der die Kommunikation über ihn vereinfacht; er wird außerdem in eine Skala von 1 bis 5 eingeordnet. "Unser" Zyklon hier heißt Sarai und ist in Kategorie 2 eingeordnet. Wir können uns tatsächlich nicht wirklich vorstellen, was es bedeutet, einen Sturm von Kategorie 5 zu erleben.


Zyklone gibt es in Fidschi jährlich, Zyklon Sarai ist also für die Bevölkerung vor Ort nicht wirklich etwas Besonderes. Die Menschen hier haben gelernt, mit dieser Gefahr zu leben, auch wenn man ihnen anmerkt, dass sie trotz allem den Respekt vor dieser Naturgewalt nicht verloren haben. Zuletzt hat Fidschi 2016 ein heftiger Zyklon der Kategorie 5 heimgesucht, bei dem 42 Menschen starben und unzählige Häuser zerstört wurden. Man kann sich vorstellen, dass dieser Schrecken bei einigen noch tief sitzt.

Nach dem Sturm ist die Welt wieder in Ordnung...


Tipps für euren Urlaub

Solltet ihr in der Zyklon-Saison zwischen November und April hierherreisen, schließt eine Reiserücktrittsversicherung ab, damit ihr nicht auf den Stornierungsgebühren für Hotels (in unserem Fall 50%!) oder für Flüge sitzen bleibt. Tragt euch außerdem in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts ein; die deutsche Botschaft in Wellington weiß dann, dass ihr in der Region unterwegs seid und schickt euch im Notfall wichtige Informationen per Email, Whatsapp-Nachricht oder SMS.


Da wir unseren Urlaub hier nicht wirklich angetreten haben, kann ich euch keine umfassenden Tipps für schöne Orte hier geben. Ich habe jedoch vom Boot aus einen Eindruck von den Inseln der Mamanuca- und Yasawa-Gruppe nordwestlich von Nadi bekommen und kann euch empfehlen, für einen Urlaub auf Fiji diese Inseln anzupeilen statt nur auf der Hauptinsel zu bleiben. Die Strände sind wirklich wunderschön und ein Aufenthalt dort ist bestimmt ein großartiges Abenteuer.


Weiterführende Informationen


Noch mehr Südsee gibt's hier:



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