• Hanna

Hanoi - Von Mopeds, Street Food und Johann Sebastian Bach.

Aktualisiert: 11. Dez 2019

Es ist viertel vor fünf Uhr morgens. Ich sitze verschlafen am Flughafen von Hanoi, von wo aus ich nach Hoi An in Zentralvietnam fliege, und denke an eine skurrile Taxifahrt zurück: Um halb vier Uhr nachts holt das Taxi mich auf der Straße vor meinem Hostel ab. Es ist stockfinster und die geschäftige Gasse, die tagsüber mit Straßenhändlern, Street Food-Läden und Geschäften mit Krimskrams gefüllt ist, liegt ruhig und verlassen da. Das Taxi fährt über spärlich beleuchtete, menschenleere Straßen.


Der Taxifahrer dreht die Musik laut: Es läuft Bachs Ouvertüre Nummer 3 in D-Dur - Musik, die ich hier so überhaupt nicht erwartet habe, deren Ruhe in starkem Kontrast steht zu dem Hanoi, das ich tagsüber erlebt habe. Der Fahrer des Taxis kann kein Englisch und so brauche ich mich nicht zu unterhalten, kann voll und ganz der Musik lauschen.


Wir fahren an einer riesigen, freien Fläche vorbei, die im Dunkeln aussieht wie eine Art Fußballfeld. In deren Mitte steht eine Art Tempel, erleuchtet, mit einer riesigen Aufschrift in der Mitte: HO CHI MINH. Es ist das Mausoleum des einstigen Revolutionärs und kommunistischen Politikers, Anführer der Viet Minh, der Gruppe von Revolutionären, die gegen die französische Kolonialherrschaft für die Unabhängigkeit Vietnams kämpften. Ich habe gehört, dass hier die einbalsamierte Leiche Ho Chi Minhs aufgebahrt liegt und besichtigt werden kann. Die Nacht und Bachs Ouvertüren machen dies zu einem geheimnisvollen - und auch irgendwie unheimlichen - Ort.


Hanoi tagsüber ist das komplette Gegenteil: Es ist laut und chaotisch, die vielen Autos, Mopeds, Fahrräder, Fußgänger, Straßenhändler, Geschäftsleute und andere Passanten sind wie ein Wirbelsturm, der die Stadt überfällt. Hanoi wirkt auf mich wie eine Stadt im Dschungel, denn es ist heiß und schwül, überall stehen riesige, alte Bäume, von deren Ästen Lianen und andere Pflanzen herunterhängen.